Palazzo

Repräsentatives, großzügiges Wohngebäude, auch als Hotel nutzbar

Zum Entwurf des Palazzo

Bei einem Spaziergang im Münchner Waldfriedhof hat ein Grabmal, das von einem Kreuz­gewölbe überspannt wurde meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich war von der beschützenden Wirkung, die von diesem Kreuzgewölbe ausging, berührt. So kam ich auf die Idee zu untersuchen, wie ich das Kreuzgewölbe  bei einem Wohngebäude einsetzen könnte. Gleichzeitig fand ich die Idee, ein Gebäude mit einem völlig aus der Zeit gefallenen Bauelement zu entwerfen, dem Kreuzgewölbe spannend. Das Kreuzgewölbe birgt den Reiz, dass es die Lasten eines Bauwerks auf sehr elegante Weise in deren vier Ecken abträgt. Die logische Struktur des Kreuzgewölbes ist das Quadrat.

Die Gesamtstruktur des Gebäudes, so die zweite Überlegung, sollte das Grundelement widerspiegeln. Je drei Kreuzgewölbe der Breite und der Länge nach ergeben 9 Einzel­quadrate, die zusammen ein großes Quadrat, den Grundriss des Gebäudes bilden. Wir haben also je Geschoß drei mal drei Kreuzgewölbe und dies wiederum in drei Geschossen übereinander.

Dieses Spiel der strukturellen Selbst­ähnlichkeit findet seinen Höhepunkt in der alles über­spannenden Überdachung, ein Kreuz­gewölbe, unter dem das ganze Gebäude steht. Das Grund­element dreimal in Länge und Breite, dreimal in der Höhe und auf den drei Ebenen Grundelement, Addition und Überdachung.

Auf der Ebene der Geometrie wurde versucht diese inneren Bezüge zu stärken, in dem der Gesamt­baukörper in Länge, Breite und Höhe identisch ist. Das heißt Gebäude und Kreuz­gewölbe haben annähernd die Proportionen eines Würfels.

Das Tragwerk besteht also aus Gewölbe, Bögen, Säulen und Wänden, alles architek­tonische Elemente, die Druck- aber keine Zugkräfte aufnehmen können. So ergibt sich das gewählte Material, der Ziegelstein, der auch nur Druckkräfte aufnehmen kann, aus der Gebäude- und Tragstruktur, er kann für Wände und Kreuz­gewölbe verwendet werden.

Es gibt aber noch eine zweite Ebene der Gebäude­konzeption, eine metaphorische: Wie ein Mensch, der sich vor Regen schützt, wie das Haupt, das von einem Hut behütet wird, wird der Palazzo von dem alles überragenden Kreuz­gewölbe überspannt und so vor Regen und steil stehender Sonne geschützt.  Dadurch wird eine über die gesamte Gebäude­fläche reichende Dachterrasse vor Regen geschützt, das Kreuz­gewölbe ist aber hoch genug, um die flach stehende Sonne des Frühjahrs und der Dämmerung auf die Terrasse scheinen zu lassen.

Mit seinen 16,5 Metern Scheitelhöhe erlaubt sich der Palazzo eine Großzügigkeit, die für ein Wohngebäude hierzulande ungewöhnlich ist; daher auch der Name. Ein möglicher Nutzer muss also einen gewissen Repräsenta­tions­bedarf haben, sei es auf Grund seiner gesellschaft­lichen Stellung, die regel­mäßige Veranstaltungen zur Folge hat, sei es eine Gemälde­sammlung, Konzerte, die Bewirtung von anspruchs­vollen Gästen oder ähnliches. Um zur Wirkung zu gelangen, benötigt das Gebäude ein Grundstück von mindestens 3500 qm.

Man gelangt über eine großzügige Eingangshalle zu einer gewendelten Treppe, die mit ihren 2,4 m Durchmesser bequem zu begehen ist. Im Erdgeschoß befindet sich der Wohn­bereich mit Eßplatz, Küche, Arbeits- und Haus­wirtschafts­raum. Die Treppe führt in das erste Ober­geschoß und erschließt von der groß­zügigen Galerie mit Loggia Herren- und Damen­gemächer und die beiden Kinder­zimmer. Im zweiten Obergeschoß befindet sich der Festsaal mit Bibliothek und zwei Gäste­zimmern, für Sommer­feste steht die direkt darüber gelegene Dach­terrasse mit 170 qm zur Verfügung. Das Keller­geschoß ist direkt mit der Tief­garage verbunden und führt über eine Neben­treppe in das Wohngebäude.

Die Grundrisse stellen eine von vielen Möglichkeiten dar und sollen verdeutlichen, was in der oben beschrie­benen Entwurfs­struktur möglich ist. Es sind aber auch noch andere Nutzungen wie Hotel oder eine Kunstgalerie denkbar.

Die Raumhöhen von ca. 3,40 m Höhe, die massive Bauweise und das atmungs­aktive Baumaterial Ziegel sorgen für ein angenehmes Raumklima ohne viel Gebäudetechnik. Die Über­dachung gewährleistet im Sommer Kühlung durch Verschattung im Winter scheint die tief­stehende Sonne bis weit in die Zimmer.

Bei vorliegendem Entwurf ist für Fassaden­bekleidung, Bodenbeläge, Gewölbedach, Gartenmauer und -Pavillion Travertin gewählt worden. Ebenso denkbar aber wäre Solnhofener Kalkstein, beide Materialien haben eine lange Tradition als Pflasterstein, Bodenbelag oder Dachdeckung. Aber auch Klinker bzw. Terrakotta wäre denkbar, jedes dieser Materialien.